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Revanche glückt nach nervenaufreibendem Spiel

Immer wieder brachte Tina de Groot Stralsund mit ihren wuchtigen Angriffen in Verlegenheit. Sie wurde deshalb auch zurecht zur MVP gewählt.Immer wieder brachte Tina de Groot Stralsund mit ihren wuchtigen Angriffen in Verlegenheit. Sie wurde deshalb auch zurecht zur MVP gewählt.

Vilsbiburg. Die Revanche ist geglückt – und wie! In einem mitreißenden, intensiven und bis zum letzten Ballwechsel nervenaufreibenden Spiel besiegten die Roten Raben Vilsbiburg die Sparkassen Wildcats Stralsund mit 3:0 (25:23/25:19/25:14) und ließen damit die bittere 2:3-Hinspielniederlage endgültig vergessen.

„Wir wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen“, verriet Raben-Spielführerin Pia Fernau nach der Partie – und man spürte: Dieser Sieg war eine echte Herzensangelegenheit. Doch geschenkt wurde den Gastgeberinnen nichts. „Wir haben hart arbeiten müssen“, sagte sie – und genau das war auf dem Spielfeld zu sehen.

Rote Raben von Beginn an gefordert

Schnell wurde klar, dass Stralsund nicht nach Vilsbiburg gereist war, um die Punkte kampflos abzugeben. Ganz im Gegenteil: Die Gäste spielten mutig, aggressiv und forderten den Roten Raben von der ersten Minute an alles ab. Vor allem im Block und in der Abwehr, hervorragend eingestellt von Trainer Kim Hakan Buchwald, machten sie es den Vilsbiburger Angreiferinnen schwer, Lücken zu finden oder den Ball im Feld unterzubringen.

„Sie haben uns ganz schön unter Druck gesetzt“, gestand Fernau. Gerade in den ersten beiden Sätzen musste sie weite Wege gehen, um ihre Mitspielerinnen entsprechend in Szene setzen zu können.

Zwar erspielten sich die Raben im ersten Satz eine 8:4-Führung, doch Stralsund blieb hartnäckig, kämpfte um jeden Ball und ließ sich nicht abschütteln. Lautstark von der Seitenlinie angetrieben, arbeiteten sich die Wildcats Punkt für Punkt heran – beim 18:18 war plötzlich alles wieder offen. Die Spannung in der Halle war greifbar.

Dann bewiesen die Raben Nervenstärke: 20:18, 24:21 – erster Satzball. Doch auch jetzt gaben die Gäste nicht auf und verkürzten noch einmal auf 24:23. Erst Mittelblockerin Tina de Groot, bereits zum dritten Mal als MVP ausgezeichnet, setzte mit einem wuchtigen Angriff den Schlusspunkt und sorgte für die erlösende Führung.

Jeder Ballwechsel war ein kleiner Kampf

Auch im zweiten Durchgang schenkten sich beide Teams nichts. Die rund 910 begeisterten Zuschauer bekamen lange, spektakuläre Rallys und leidenschaftliche Abwehraktionen auf beiden Seiten zu sehen. Jeder Punkt wurde gefeiert, jeder Ballwechsel war ein kleiner Kampf.

Doch was die Raben in dieser Saison besonders auszeichnet, zeigte sich auch jetzt: ihr unerschütterlicher Zusammenhalt. „Jede weiß, dass sie sich auf ihre Mitspielerinnen verlassen kann“, erklärte Mittelblockerin Nadine Burbrink. Oder anders gesagt: „Wir geben einen Ball erst verloren, wenn er am Boden ist oder der Schiri abgepfiffen hat.“

Mit dieser Einstellung fanden die Gastgeberinnen immer besser in ihren Rhythmus. Über 16:9 und 20:12 erspielten sie sich eine komfortable Führung. Trotzdem blieb jeder Punkt hart erarbeitet, denn Stralsund nutzte jeden noch so kleinen Wackler sofort aus. Erst nach drei Anläufen – und einer Auszeit von Trainer Guillermo Gallardo – machte Diagonalspielerin Annie Hatch den Sack zum 25:19 zu.

Am Ende ging Stralsund die Luft aus

Im dritten Satz merkte man den Gästen schließlich den Kraftaufwand an. Zwar stemmten sie sich noch einmal mit aller Energie gegen die drohende Niederlage, wollten zumindest einen Satz entführen – doch die Raben blieben konsequent, konzentriert und gnadenlos effektiv. Aus einem knappen 8:6 wurde ein deutliches 16:9, später ein 20:13.

Stralsund ging langsam die Luft aus – während die Raben weiter marschierten. Nadine Burbrink verwandelte schließlich den zweiten Matchball zum erneuten 3:0-Heimerfolg. Damit hat das Team von Trainer Guillermo Gallardo zu Hause bislang erst einen einzigen Satz abgegeben.

Gallardo zeigte sich am Ende erleichtert und zufrieden über die nächsten drei Punkte. Für Pia Fernau war die Partie jedoch mehr als nur ein Sieg: „Wir waren ordentlich gefordert. Jedes Spiel, in dem wir lernen, mit so viel Druck umzugehen, bringt uns weiter.“

Eine Erkenntnis, die mit Blick nach vorne Gold wert sein dürfte. Denn am kommenden Samstag, 7. Februar, wartet das emotionale Niederbayernderby bei NawaRo Straubing. Die Straubinger lauern nur vier Punkte hinter den Roten Raben auf Rang zwei und sind in eigener Halle eine echte Macht. Die schmerzhafte 0:3-Niederlage aus der vergangenen Saison in der Turmair-Arena ist noch in Erinnerung.

Zwei Herausforderungen warten: Derby in Straubing und die Frage nach dem Aufstieg

Doch eines haben die Roten Raben am Samstagabend eindrucksvoll bewiesen: Sie sind bereit für diese Herausforderung.

Wegen einer ganz andere Herausforderung war am Samstag ein ganz besonderer Gast in der Ballsporthalle: Kim Oszvald-Renkema, Geschäftsführerin der Volleyball-Bundesliga, wollte sich einen Eindruck vom Volleyballstandort Vilsbiburg machen. Und sie war ziemlich angetan, von dem, was sie sah. „Die Roten Raben stehen nicht umsonst auf Platz eins in der Sparda 2. Liga Pro. Ich hoffe, dass sie den Schritt in die erste Liga wagen“. Sie verriet auch, dass bereits Gespräche am Laufen seien, die Verantwortlichen der Roten Raben haben allerdings noch keine Entscheidung getroffen.

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