News

Rote Raben wollen sich keine Blöße geben

Muss am Samstag wieder klug Regie führen: Raben-Zuspielerin Pia FernauMuss am Samstag wieder klug Regie führen: Raben-Zuspielerin Pia Fernau

Vilsbiburg. Es ist diese besondere Spannung, die jede Woche aufs Neue in der Luft liegt. Diese Mischung aus Respekt, Ehrgeiz und der stillen Hoffnung des Gegners, den scheinbar unaufhaltsamen Tabellenführer doch noch zu Fall zu bringen. Die Roten Raben Vilsbiburg kennen dieses Gefühl nur zu gut. Und genau diese Atmosphäre erwartet sie auch am Samstagabend um 19 Uhr, wenn sie beim Tabellensechsten DSHS SnowTrex Köln antreten.

Es ist nicht irgendein Spiel. Es ist eines dieser Spiele, in denen der Favorit alles zu verlieren hat – und der Herausforderer nichts außer seiner Angst. Raben-Trainer Guillermo Gallardo spürt diese Gefahr. Trotz der starken Auftritte gegen VCO Dresden und TV Planegg‑Krailling warnt er eindringlich davor, auch nur einen Moment nachzulassen. „Uns erwartet in Köln wieder ein schwieriges Spiel“, sagt er – und seine Worte tragen den Respekt eines Trainers, der weiß, wie schnell sich im Sport alles drehen kann.

Die Zahlen sprechen für sich: Köln hat in der Sparda 2. Liga Pro zwölf seiner 21 Spiele gewonnen und steht verdient auf Platz sechs. Doch Vilsbiburg thront mit 20 Siegen und 61 Punkten unangefochten an der Spitze. Eine Bilanz, die Ehrfurcht einflößt – und zugleich jeden Gegner zusätzlich anspornt.

Kölns Trainer Jimmy Czimek macht keinen Hehl aus seiner Motivation. Seine Mannschaft habe nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Er erinnert an jenen Moment der vergangenen Saison, als sein Team den damaligen ungeschlagenen Spitzenreiter auswärts bezwang. Solche Erinnerungen nähren den Glauben an das Unmögliche. „Mit Mut, Leidenschaft, Blockstärke und der Unterstützung der Heimkulisse will Köln dem Favoriten alles abverlangen“, ist in ihrem Stadionheft zu lesen.

Gallardo weiß das. Er hat jedes Detail studiert, jede Bewegung analysiert. Besonders der sogenannte „Domball“ – dieser hohe, ungewöhnliche Ball durch die Mitte – steht symbolisch für Kölns unkonventionellen Stil. Diese Variante und zwei, drei andere Eigenheiten des Kölner Spiels hat der Raben-Trainer seinen Spielerinnen in diversen Videos gezeigt und mögliche Antworten mit ihnen besprochen. Doch trotz aller taktischen Vorbereitung bleibt seine Botschaft klar: „Wir müssen unser eigenes Spiel durchziehen.“

Er ist froh, dass er in Köln mit allen Spielerinnen antreten kann. „Wir haben in dieser Woche gut trainieren können. Diana (Vavrek) und Anni (Deliano) waren nach längerer Verletzungspause wieder im Training, so dass wir mehr Spielerinnen zur Verfügung hatten“.

Aufgrund der aktuellen Wetterkapriolen ist er froh, dass sie bereits am Freitag nach Köln fahren. „So haben die Spielerinnen genügend Zeit, die siebenstündige Fahrt wegzustecken“, weiß er aus Erfahrung. Ein wichtiger Punkt, denn er hat bei der einen oder anderen Spielerin in den vergangenen Tagen eine leichte Erschöpfung festgestellt. Die langen Wochen, die intensiven Spiele, der ständige Druck – all das hinterlässt Spuren. Deshalb wird er in den kommenden Wochen auch die Trainingsumfänge etwas reduzieren, damit sich die Spielerinnen regenerieren können. Schließlich müssen die Roten Raben noch nach der Begegnung in Köln noch sechs Spiele absolvieren. Gleichzeitig mahnt er bei allen Spielerinnen aber auch eine professionelle Einstellung an: „Wir müssen alle unsere Leistung bringen. Sonst wird der Erfolg rasch weiterziehen“.

Doch Gallardo erinnert sein Team daran, wie zerbrechlich Erfolg sein kann:
„Wir müssen alle unsere Leistung bringen. Sonst wird der Erfolg rasch weiterziehen.“ Es sind Worte, die nicht drohen, sondern mahnen. Worte, die zeigen, dass selbst ein Spitzenreiter kämpfen muss. Dass jeder Sieg neu verdient werden will.

Und genau deshalb ist dieses Spiel in Köln mehr als nur eine weitere Partie. Es ist der nächste Schritt auf einem Weg, der Mut, Leidenschaft und unerschütterlichen Willen verlangt.

zurück zur Übersicht